OSTEOARTHROSE
idiopathische und symptomatische
Osteoarthrose
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21
Gelenkschmerzen
21.1
Arthritiden
21.2 Osteoarthrose
Die Begriffe "Osteoarthrose" und "Arth rose" bezeichnen die gleiche Krankheit.
Eine Osteoarthrose ist die häufigste Ursache für Gelenksschmerzen.
Das Risiko, eine (idiopathische) Gelen ksarth rose zu bekommen, ist generell sehr hoch, vor allem im Alter. Bei über 70-jährigen Menschen ist bereits zu 80% eine Arth rose vorhanden, während nur 4% der 20-jährigen eine Arth rose haben, Frauen sind häufiger betroffen. Betroffen sind hauptsächlich Gelenke, die größeren mechanischen Belastungen ausgesetzt sind, eben Hüftgelenke und Kniegelenk e.
Die Osteoarthrose ist zunächst eine Erkrankung des Gelenk knorpels, im weiteren Verlauf kommt es dann zu einer Umbildung des knorpelnahen Knochen s, einhergehend mit Schmerz en, Schwellungen, Bewegung seinschränkung und Deformierung der Gelenke. Zunächst bestehen nur Bewegungsschmerzen und später tritt ein Ruheschmerz hinzu. Grundsätzlich kann festgestellt werden, daß Durchblutungsstörungen erheblich zur Ausbildung einer Arth rose beitragen. Das ist auch der Grund, warum diese Krankheit mit zunehmendem Alter häufiger auftritt, weil ja bekanntermaßen im Alter die Durchblutung nachläßt. Eine Therapie kann deshalb nur dann wirksam sein, das gilt natürlich auch für die begleitenden Schmerzen, wenn die Durchblutung wieder optimiert wird. Die spezielle Schmerztherapie verfügt im Rahmen der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) über entsprechende Methoden (siehe weiter unten).
Man unterscheidet zwei Formen:
In den letzten Jahren hat die operative Behandlung der schmerzhaften Osteoarthrose große Bedeutung erlangt. Folgende Methoden stehen zur Verfügung:
Die Behandlung mit Hyaluronsäure hat sich als wirksame Therapie bei von Arth rose befallenen Gelen ken etabliert. Speziell für die Behandlung der kleinen Synovialgelenke (= echtes Gelen k , also mit Gelenkspalt, Gelenkkapsel und Gelenkschmiere) gibt es eine Mini-Fertigspritze (1 ml Natriumhyaluronat). Nach entsprechenden Studien zeigte sich, daß auch eine Kombination aus Glucoseamin und Chondroitinsulfat hilfreich ist, das entsprechende Arzneimittel in klinisch wirksamer Dosierung ist in Deutschland unter dem Namen Artvitum® in Apotheken verfügbar ist.
Immer wieder ist festzustellen, daß sich in Deutschland neue, hilfreiche Therapiemethoden nur sehr zögerlich verbreiten, vor allem, wenn wenn sie aus einem anderen Fachgebiet kommen. Die moderne spezielle Schmerztherapie verfügt gerade bei einer Osteoarthrose über hilfreiche Behandlungsmöglichkeiten, die z.T. zu erstaunlichen Resultaten führen. So manchem Patient hätte damit eine Operation (z.B. künstliches Gelenk) ersparen oder zumindest zeitlich hinauszögern können.
Kommt man um eine Operation nicht mehr herum,
weil z.B. durchblutungsfördernde Maßnahmen nicht, oder zu spät eingeleitet
wurden, so bieten die Methoden der modernen
Schmerztherapie
optimale Voraussetzungen für eine nachfolgende
Anschlußheilbehandlung
(Anschlußrehabilitation).
Mehr darüber erfahren Sie hier:
http://www.anschlussheilbehandlung.eu
(einfach anklicken).
Schmerzbehandlung
bei Osteoarthrose:
Medikamentöse Schmerztherapie:
Akut (= plötzlich
einsetzend, heftig) und subakut
können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende
Analgetika (=
Schmerzmittel, die
am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika
(= Rheumamittel),
aus dieser Gruppe möglichst lang
wirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®). Besonders magenschonend und auch
entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®)
oder Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings scheint diese Stoffgruppe mit
einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer
Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch
vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor
(z.B. Vioxx®!).
Auch Lumiracoxib (Prexige®) ist ein sog. COX-2-Hemmer. Dieses Medikament
soll sich in der Synovia
(= schleimhaltige, fadenziehende
Gelenk
flüssigkeit bzw.
Gelenk
schmiere)
anreichern und deshalb für die
Schmerztherapie bei
Gelen kversch
leiß
besonders geeignet sein.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch
Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur Muskelentspannung)
(z.B. Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden.
Manchmal sind aber die Schmerzzustände bei Osteoarthrose nur
mit zentralwirkenden
Analgetika (z.B. Tramadol,
Valoron N®) (= im Gehirn bzw.
Rücken
mark wirkende
Schmerzmittel)
beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der
Gefahr der Gewöhnung oder gar
Schmerzmittelabhängigkeit
vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression,
aber auch bei chronischen
Schmerzen
wirksam) (z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen
Schmerzmittel einzusparen.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel):
Bei anhaltenden Schmerzen sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt
werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder
Suchtpotential, ist die
therapeutische Lokalanästhesie
mit einem lang wirkenden
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
(z.B.
Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und
Nervenblockade
n. Dabei werden die
schmerzhaften Gelen
ke wiederholt (stationär bei uns
zweimal täglich) großzügig perikapsulär
(= um die Gelenkkapsel herum)
infiltriert.
Schmerzhafte Gelen
ke können auch mit "Zeel" umspritzt werden, was
manchen Patienten mit "homöopathischer" Grundeinstellung sehr entgegen kommt.
Als nächst höhere Therapiestufe kommen wiederholte Nerven - bzw. Leitungsblockaden in Frage, in hartnäckigen Fällen auch kontinuierlich mit Katheter*:
| Nerven und | |
| Nervengeflechte: |
zugehörige Gelen ke: |
| ---------------------------- | ------------------------------------------------------- |
| Plexus brachialis: |
Ellenbogen,
Hand
- und
Fingergelenk
e, mit der retrograd
hohen Variante**, oder auch interskalenär***, kann auch das Schultergelenk erreicht werden |
|
Plexus lumbalis
(mittels N. femoralis-Katheter): |
Hüftgelenk |
| N. femoralis: | Kniegelenk |
| N. ischiadicus: | Fußgelenk e |
** Einpflanzung am Oberarm und Abstauung während der Katheterfüllung, *** Einpflanzung des Katheters im unteren, seitlichen Halsbereich
Grundsätzlich wird
das
Lokalanästhetikum
(=
örtliche
Betäubungsmittel)
jeweils so verdünnt verabreicht, daß nur die Sensibilität
(= u.a.
Schmerzempfindung) betroffen
ist, die Motorik
(= Muskelfunktion)
aber erhalten bleibt und damit begleitend intensive,
gelenkfunktionserhaltende sowie funktionsfördernde krankengymnastische
Übungsbehandlungen möglich sind, bzw. bei
stärkeren Schmerzen
durch Hemmung der Nozizeption
(=
Schmerz
reizleitung) erst möglich
werden. Diese
Nervenblockade
n haben darüber hinaus einen sehr günstigen Nebeneffekt.
Durch die gleichzeitige Blockade vegetativer Nervenfaseranteile kommt
es im korrespondierenden Gewebebereich zu einer sehr deutlichen
Mehrdurchblutung, die jedem degenerativen Prozeß nachhaltig
entgegenwirkt. In diesem Sinne ist diese Behandlung bei
Osteoarthrose nicht nur symptomatisch
(= nicht nur auf die Schmerzen gerichtet),
sondern kurativ
(= heilend).
Physikalische Schmerztherapie bei Osteoarthrose (idiopathische und symptomatische):
Neuerdings führen wir für die
Knie
- und
Fuß
gelen
ke zusätzlich mit gutem Erfolg die
SynOpsis-Therapie durch. Die Un
terschenkel des Pat. befinden sich dabei
in einem mit Wasser gefüllten Gefäß. Über einen Computer werden der Flüssigkeit
Schallwellen einer bestimmten Frequenz pulssynchron
(= in Abhängigkeit vom Pulsschlag)
zugeführt. Es handelt sich dabei um ein sog. syncardiales
(= im Takt mit dem Pulsschlag)
Gefäßtraining, das zu einer erheblichen Durchblutungssteigerung führt und diese
ja wirkt einer Osteoarthrose kausal
(= ursächlich)
entgegen.
Mehr über diese Therapie erfahren Sie hier:
www.1-avk.de
(einfach anklicken).
Auch eine
Elektrostimulation kann eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die
transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator (TENS) hat
den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die
Elektroden werden paarig über dem betroffenen Gelenn
k aufgeklebt. Durch Veränderung der
Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden.
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche
Kältetherapie im
Schmerz
bereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen
Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist.
Manche Patienten mit Osteoarthrose empfinden allerdings lokale
Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können
ebenfalls
chronische Schmerzen
lindern, gleiches gilt für die
Wärmekammer.
Auch die
Magnetfeldtherapie (pulsierende
Signaltherapie) ist bei Osteoarthrose eine
gute Indikation (=
Anzeige), gleiches gilt für die
Hochtontherapie.
Die Verordnung von
Massagen ist bei Osteoarthrose nicht sinnvoll. Für den
Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter
schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen
Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber die heilgymnastische Therapie, da meist nur
diese geeignet ist, Gelenkfunktionen zu fördern bzw. zu erhalten.
Andere Maßnahmen zur
Schmerzbehandlung
bei Osteoarthrose (idiopathische und symptomatische):
Der Vollständigkeit halber darf die
Akupunktur
(Schmerzakupunktur)
nicht unerwähnt bleiben. Da auch Übergewicht die Ausbildung einer Osteoarthrose
begünstigen kann, sollte eine
multimodale Schmerztherapie
(= gleichzeitig
durchgeführte, unterschiedliche Behandlungsansätze aus verschiedenen
Fachrichtungen) auch diätetische
Maßnahmen beinhalten.
Hypnoide
(=
bewußtseinsverändernde) Verfahren
wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen
einer
psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie.
Bei
chronischen Schmerzen
ist auch ein
Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.
*
Bei der sog.
kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch
dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die
Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also
nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals
täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche
Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur
Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch
eine kleine Pumpe angeschlossen werden.
Diese Therapie wird ca. 10-14 Tage lang konsequent durchgeführt und dann der
Katheter wieder entfernt.
Methodenbeschreibung "Kontinuierliche (repetitive) Nervenblockaden mit Katheter":
Die invasiven (= in den Körper eindringenden) Therapiemethoden der speziellen Schmerztherapie setzen eine sehr gründliche fachärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in wenigen therapeutischen Einrichtungen angeboten werden können. Insbesondere sind die kontinuierlichen Blockaden mittels eingepflanztem Katheter in Deutschland nur in ganz wenigen Schmerzzentren (Schmerzkliniken) durchführbar, so z.B. in Bad Mergen theim.
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